Er

von Tania Kummer

Er ist alleine. Sie verliess ihn kürzlich.
Warum? Wer weiss, er nicht.
Er denkt auch nicht darüber nach.
Auf einmal war sie weg. Die Nächte waren wieder so wie früher. Nächte alleine vor dem Fernseher. Muss er den Joint nicht teilen, hat er selber mehr davon.
Er muss nicht mehr reden, muss sich nicht mehr überlegen, worüber er mit ihr reden soll. Sie war ihm manchmal nicht ganz geheuer. Er hat sie nie ganz verstanden.
Frauen sind für ihn Weiber und dann verständlich, wenn sie im Fernsehen mit offener Bluse und heiserer Stimme ihre Telefonnummer verkünden. Früher hat er als Assistent eines Regisseurs gearbeitet, der Pornofilme produzierte. Da war er 16 und da wurden für ihn Frauen zu Weibern.
Seine erste Freundin sprach ihn in einem Einkaufszentrum an. Er überlegte nicht, warum sie das tat. Er nahm sie an, er nahm sie an sich, nahm sie mit nach Hause, dort küsste er sie, das kann er gut, glaubt er. Als sie auf dem Sofa lagen, glitt er mit seiner rechten Hand unter ihren Pullover. Ihr schien das zu gefallen, sie sagte zumindest nicht, dass es nicht so ist.
So begann diese Beziehung. Manchmal wollte sie etwas über ihn wissen, fragte ihn nach seiner Familie, seinen Gefühlen, nach alledem. Er erzählte ihr nicht viel. Nicht, dass er Geheimnisse hätte.
So trafen sie sich, bei ihm zu Hause, er holte zwei Bier aus dem Kühlschrank, sie setzten sich aufs Sofa und schauten TV. Am Anfang erzählte sie ihm von ihren Freundinnen und von der Schule und was sie so gemacht hatte den ganzen Tag. Er hörte ihr zu, aber eigentlich interessierte es ihn nicht. Er war ja mit ihr zusammen, nicht mit ihren Freundinnen. Mit der Zeit erzählte sie ihm nicht mehr so viel. Der Sex hingegen wurde immer besser. Sie stöhnte mehr als zu Beginn. Er war sicher, dass sie befriedigt war. Und dann wachte sie eines Tages neben ihm auf, er hatte sie beobachtet, als sie schlief, und sagte ihm, dass sie nicht mehr mit ihm zusammen sein wolle. Mehr sagte sie nicht, er fragte nicht und dann ging sie.
Es vergingen zwei Jahre, in denen er das tat, was er immer tut. Fernsehen, kiffen, arbeiten, essen, rauchen, trinken. Dann lernte er seine nächste Freundin kennen. An einem Abend in einem Club, er fand sie schön, vor allem ihre Augen. Sie kam auf ihn zu, redete mit ihm, fragte ihn nach seiner Adresse.
Sie kam zu ihm, er sagte, sie solle ihn küssen. Sie tat es. Sie hatte gerade eine lange Beziehung beendet. Das kümmerte ihn nicht, denn sie wollte jetzt ihn. Er kochte für sie, rief sie an, lud sie ein, fuhr sie mit dem Auto zur Arbeit. Er hatte Spass an ihr, sie hatte eine lustige und leidenschaftliche Art zu erzählen.
Nach zwei Monaten kam sie nicht mehr so häufig vorbei, um mit ihm auf dem Sofa zu sitzen. Er rief sie einige Male an und sie nahm die Anrufe nicht entgegen. Sie schrieb ihm einen Brief. Sie wolle nicht mehr mit ihm zusammen sein. Er fragte sie nicht warum. Jetzt tut er wieder das, was er immer tut.




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